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Briefe von Unterwegs
Türkei, Iran, Pakistan Indien

Rundbrief 3
Pakistan.
Religion ohne Ende.
- Kolkata, Indien, 18. Januar 2005

Hallo ihr Lieben,
Vor einem Monat habe ich Euch zum letzten Mal geschrieben. Damals war ich in Delhi. Inzwischen bin ich im Zickzack quer durch Indien gereist und gestern heil und gesund in Kalkutta bzw. Kolkata, wie die Stadt heute offiziell heisst, angekommen. Hier ist es mir sogar gelungen, ein Internetcafé zu finden, in dem ich mein von zu Hause mitgebrachtes Jaws zum laufen und den Computer damit zum Sprechen bringen konnte. Damit wäre die Bahn also frei für den nächsten Rundbrief. Ich habe Euch in meinem letzten Brief sozusagen an der pakistanischen Grenze stehen lassen. Vielleicht gelingt es mir heute, bis zur Gegenwart aufzuholen. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben.


Quetta, Ort der Verbannten

Mein erstes Ziel in Pakistan war Quetta, die Hauptstadt von Balutschistan, der westlichsten Provinz des Landes. Quetta ist ca. 500 km von der pakistanisch-iranischen Grenze entfernt. Ein Minibus brachte mich in rund 10 Stunden von der Grenzstadt Taftan - der "Hölle auf Erden", wie ein Handbuch unfreundlicherweise schreibt - nach Quetta. Wir stoppten unterwegs zweimal um Tee zu trinken und zu pinkeln. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass der Fahrer und der geschäftige Guide diese Pause auch zum Beten benutzt haben.

Ich war die grosse Attraktion der wenigen Männer und Kinder, für die diese primitiven Raststätten so etwas wie das Tor zur grossen weiten Welt bedeuten. Während ich auf einer Bastmatte vor dem einfachen Backsteinbau hockte und meinen Tee schlürfte, sammelten sie sich um mich und diskutierten dieses fremdartige Objekt mit den merkwürdigen Augen und seiner sprachlichen Unfähigkeit. Dabei erwiesen sich die Kinder wie meist als wesentlich entdeckungsfreudiger als ihre erwachsenen Mitmenschen. Sie versuchten es bald mit einem zutraulichen "Hello" und mit einem ziemlich vernuschelten "what is your name" - eine Konversation, die ich seither öfter gefürht habe, denn obwohl Englisch sowohl in Pakistan als auch in Indien zu den offiziellen Landessprachen gehört, sprechen vor allem die weniger gebildeten Menschennur sehr wenig oder überhaupt kein Englisch.

Balutschistan ist ein sehr dünn besiedeltes, riesiges Wüstengebiet, und die Provinz gilt allgemein als die unentwickeltste Region Pakistans. Grosse Teile Balutschistans sind für Touristen gesperrt, weil die Machtverhältnisse dort zu prekär sind. Drogenmaffia, rivalisierende Stammesfürsten und CIA/Agenten beherrschen die Szene. Der Einfluss der pakistanischen Regierung ist schwach. Einzig Quetta, wo ich um elf Uhr abends tüchtig durchgerüttelt und verstaubt ankam, funktioniert einigermassen normal. Doch auch Quetta ist für die meisten Pakistani düsterste Provinz - rückständig, unentwickelt und langweilig. Wer von der Regierung in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, nach Quetta geschickt wird, wird allgemein bemitleidet: Kein Theater, kein Nachtleben, keine Kultur - Die einfache Bevölkerung ausserhalb Quettas lebt noch beinahe so wie vor zwei oder vierhundert Jahren, und auch in der Stadt, in der ich mich im übrigen nie bedroht fühlte, ist dieser Traditionalismus spürbar.

Da ich von der instabilen Lage in Belutschistan wusste - Individualtouristen wird von offizieller Seite davon abgeraten, die Strecke nach Quetta auf dem Land zurückzulegen -, hatte ich schon von der Schweiz aus versucht, eine Kontaktperson zu finden, die mir helfen würde, in Quetta anzukommen. Rao Icqbal- ein Mitarbeiter von""Islamic Relief" - war zwar nicht in der Stadt, doch hatte er seinen Betreuungsjob einem seiner Mitarbeiter übergeben, der mich seinerseits mit seinem Cousin Hassan verkuppelte, der (für $20 pro Tag, rückblickend ein viel zu hoher Preis) während der nächsten vier Tage mein Reiseführer und mein Lehrer in Sachen pakistanischer Kultur wurde.

Auf Anraten Rao Icqbals verbrachte ich die erste Nacht in einem Quettaer Nobelhotel mit echt britischer Atmosphäre, mit westlichem Klo und Minibar im Zimmer. Mit einiger Mühe gelang es mir am nächsten Tag meine Betreuer davon zu überzeugen, dass ich nicht nach Pakistan gekommen sei um hier wie zu Hause in Europa zu leben. Als erstes machten Hassan und ich uns deshalb auf die Suche nach einem "anständigen Hotel", d.h. nach einem Hotel a la Pakistani. Diese Unterkunft war nicht nur wesentlich billiger - statt beinahe $40 pro nacht $2 oder 3 -, sie war auch viel mehr nach meinem Geschmack. Wenn ich während der nächsten Abende ein wenig Unterhaltung haben wollte, so brauchte ich mich nur hinunter in die Lobby zu setzen, und im Nu war jemand da, der mich nach meinen Eindrücken von Pakistan und nach meinem "Woher" und "Wohin" fragte.

"What do people in your country think about Pakistan" war eine Frage, die mir von Anfang an immer wieder gestellt wurde. Hinter der Frage steckt echte Besorgnis. Im Rahmen eines offiziellen Meetings in Islamabad, an dem ich einige Wochen später über meine inzwischen gemachten Reiseerfahrungen berichtete, legten mir die VertreterInnen der pakistanischen Nicht-Regierungsorganisation, welche diese Diskussion organisiert hatten, dringend ans Herz, alles in meiner Macht stehende zu tun, um die Menschen in Westeuropa davon zu überzeugen, dass die Pakistani genauso friedliebend und vernünftig seien, wie die meisten Menschen auf dieser Erde. Und natürlich haben sie recht: Zwar spielt die Religion in Pakistan eine grosse Rolle, und viele Pakistani haben ein erstaunlich naives Verhältnis zu ihrem Gott und ihren Mullas, - sind in gewissem Sinn also durchaus Fundamentalisten -, doch habe ich diesen Fundamentalismus eigentlich nie als agressiv, sondern eher als eine Art introvertierter Frömmigkeit oder - etwas negativ ausgedrückt - als gelegentlich etwas penetrante pietistische Frömmlerei erlebt. Religiös begründete Agressivität gibt es (nicht zuletzt aufgrund der amerikanischen Politik der 1980er Jahre) zwar auch, doch wird sie von der überwiegenden Mehrheit der Pakistanis selbst als Problem empfunden und abgelehnt. Innerhalb Pakistans spielen die Diskussionen über den "richtigen" Islam und das Gefühl, vom Westen zu Unrecht in die fanatische Ecke geschoben zu werden, jedenfalls eine viel grössere Rolle als die Idee eines heiligen Krieges gegen die Ungläubigen.

Doch genug davon. Unsere Reise ist noch lang, und ich habe Euch versprochen, heute tüchtig voran zu machen. Ich erzähle Euch deshalb nichts mehr von Ali, meinem betrunkenen Hotelbesitzer, der mir - die Nase dicht überm Lenkrad - auf der Rückfahrt von seinem Club, in dem er mich den Honoratioren Quettas vorgestellt hatte, zu nächtlicher Stunde erklärte, dass Allah wirklich nichts gegen den Alkohol habe. Ich erzähle Euch auch nichts von der Trockenheit, welche der ganzen Provinz Balutschistan seit Jahren zu schaffen macht und den "Obstkorb Pakistans" mehr und mehr in öde Wüste verwandelt. Ich erzähle Euch nicht von dem mittlerweile zur wasserlosen Mondlandschaft gewordenen See im kühlen Hinterland von Quetta, der vor drei bis vier Jahren noch Sommergäste aus ganz Pakistan angelockt hat. Ich erzähle Euch auch nichts von Hassan, dem 19jährigen computergewandten Ökonomiestudenten, der mir jeden Tag von morgens neun bis abends sechs zur Seite stand, mich durch den turbulenten Verkehr Quettas manövrierte, mir ohne viel Erfolg ein paar Brocken Urdu beizubringen versuchte, und mir in langen Diskussionen erklärte, weshalb er lieber darauf verzichte, zu kritisch über den Koran und die Welt im Allgemeinen nachzudenken. Dieses kritische Denken - so Hassans ernsthafte (und nicht ganz unrichtige) Meinung zu dem letzten Punkt - sei dem Respekt vor den Eltern abträglich und gefährde den eigenen Seelenfrieden. Ich erzähle Euch auch nichts über die pikanten Ereignisse in meinen Gedärmen, die mich (eine Auswirkung des scharfen pakistanischen Essens) zwischendurch etwas lahm legten ...

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Zwischen Tradition und Moderne. Gespräche in Islamabad

Am 25. November Vormittag um halb Elf, fünf Tage nach meiner Ankunft in Pakistan, einen Tag später als beabsichtigt, liess ich Quetta hinter mir. Der "Quetta/Express" sollte mich in knapp 30 Stunden nach Islamabad, der nächsten Station meiner Pakistantour bringen. Nachdem unsere Lokomotive kurz nach Lahore ihren Geist aufgegeben hatte, verzögerte sich die Reise zwar etwas, aber Dank Aamir, der mit mir ein zweite Klasse Liegewagenabteil Baujahr uralt teilte, empfand ich die siebenstündige Verspätung, mit der wir schliesslich in Islamabad ankamen, nicht als Unglück. Im Gegenteil. Sie gab uns Gelegenheit, uns erst richtig näher zu kommen. Wenn wir nicht gerade schliefen oder wenn Aamir nicht am Beten oder auf der Jagd nach etwas Essbarem war, diskutierten wir über so ziemlich alles, über das man während einer solchen Reise diskutieren kann, angefangen von Gott und der hohen Politik bis hin zu den Niederungen des Privatlebens, Beruf, Sex und andere Träume. Zum Abschied nahm Aamir mir das Versprechen ab, ihn unbedingt in Hidarabad zu besuchen, damit er mir seine Stadt und das nahe gelegene Karatschi zeigen könne. Aus der Sache wurde dann zwar nichts - das Pläneschmieden ist hier ein noch viel freieres Spiel als bei uns -, doch ist Aamir jedenfalls als interessanter Gesprächspartner und Freund in meinem Adressbüchlein notiert.

Über meine rund zwei Wochen in Islamabad und Umgebung (einschliesslich vier Tage in Peshawar) en Detail zu berichten würde den Rahmen dieses Briefes endgültig sprengen. Islamabad hatte ich wegen Zahid auf den Menüplan meiner Reise gesetzt. Auch diesen Kontakt hatte ich noch von der Schweiz aus angeleiert. Wir hatten vor meiner Abreise bereits einige Mails ausgetauscht, und schon da hatte ich den Eindruck, dass aus diesem Kontakt wirklich etwas werden könnte. Tatsächlich erwies Zahid sich als wunderbarer Gastgeber. Nicht nur, dass ich die sechs oder sieben Nächte, die ich in Islamabad zubrachte, jeweils bei ihm schlief und mich dabei stundenlang mit ihm unterhalten konnte. Zahid stellte mich auch einer ganzen Reihe seiner FreundInnen vor, von denen er annahm, dass sie mich interessieren könnten. Als ich die Gegend von Islamabad schliesslich verliess war es wiederum er, der dafür sorgte, dass ich in Lahore gastfreundlich aufgenommen wurde.

Zahid ist 36 Jahre alt. Er hat vor vier Jahren geheiratet. Eine arrangierte Heirat, von ihm aus zumindest teilweise aus Gründen der Vernunft und aus der Angst heraus eingegangen, sonst nie eine Frau zu finden. Seit rund vier Jahren ist Zahid so gut wie blind. Vorher konnte er noch so viel sehen, dass er ohne besondere Hilfsmittel und Blindenschriftkenntnisse seinen Master in Englisch machen konnte. Er ist noch immer dabei, sich an seinen neuen Zustand zu gewöhnen. Am vierten oder fünften Tag meines Besuches erzählte er mir, dass er sich entschieden habe, von jetzt an ebenfalls einen weissen Stock zu benützen. "Ich habe gesehen, wie nützlich dieses Ding für dich ist, und wie viel selbstständiger du dadurch bist. Bis jetzt habe ich mich immer geniert, einen solchen Stock zu benützen, denn - naja, jetzt bin ich ja nur "sehbehindert". Wenn die Leute mich aber mit dem weissen Stock sehen, dann ist's mit dieser Illusion vorbei. Dann bin ich ganz blind." Das Problem sei, so erklärte Zahid an dem Abend, nicht nur ein persönliches. Es sei auch ein familiäres, denn seine Schwiegereltern hätten zwar gewusst, dass er bestimmte Probleme mit den Augen habe, doch hätten sie der Heirat unter der Annahme zugestimmt, dass er im Prinzip sehen könne. Wenn er sich jetzt plötzlich öffentlich als blinder Mensch präsentiere, fühlten sie sich in gewissem Sinn auch hintergangen, als ob man ihnen einen kaputten Fernseher oder sonst etwas unbrauchbares untergejubelt hätte. Auch seine Frau sei eher dafür, das Malheur zu vertuschen. Sie habe Mühe mit der Vorstellung, dass er allein mit dem weissen Stock unterwegs sei.

Vor allem beruflich hat Zahid ein paar sehr schwierige Jahre hinter sich. Er hat sich und seine Familie mit Englischunterricht so gut es ging über die Runden gebracht. Kurz vor unserem ersten Email-Kontakt im August oder September hat er dann eine Stelle in einer Nichtregierungsorganisation erhalten, die sich mit der Förderung demokratischer Strukturen in Pakistan befasst. Es ist die Organisation, die ich bereits weiter oben erwähnt habe. Der Job ist nicht nur interessant, er ist auch ein riesen Glück für Zahid, denn die Ausbildungs- und Arbeitssituation für (Seh)-behinderte Menschen in Ländern wie Pakistan ist noch um einiges schlechter als bei uns, wo auch nicht alles was künstlich aufgeputzt vor sich hin glänzt wirkliches Gold ist.

Zahid ist im übrigen der einzige Mensch in Pakistan, der sich mir gegenüber rundweg und ohne Abstriche als Atheist bezeichnete. Distanz zum Islam fand ich zwar auch sonst, aber eine so eindeutige Stellungnahme ist auch bei gebildeten Pakistani selten, denn Muslim zu sein gilt dort als so selbstverständlich und natürlich wie das Christsein bei uns vor zwei- oder dreihundert Jahren. Wer nicht wenigstens so tut als ob, wird leicht zum gesellschaftlichen Aussenseiter. Zahid hängt seinen Atheismus deshalb auch nicht an die grosse Glocke.

Auch über andere Dinge, die ihn beschäftigen, spricht dieser mutige Geist mit seinen Freunden nicht. Vor allem über Fragen von Liebe, Ehe, Sex etc. könne man in Pakistan eigentlich mit niemandem wirklich offen sprechen. "Wir sehen zwar alle die Filme aus den USA oder aus Indien, wo es dauernd um Sex und Beziehungsknatsch geht, aber bei uns gibt es all diese Dinge nicht, offiziell jedenfalls. Es gibt zwar vor- und aussereheliche Beziehungen, doch wird darüber nie gesprochen, und wenn du als Mann mit 18 oder 25 eine Freundin hast, so ist das nur heimlich möglich. Die Dinge ändern sich zwar allmählich, aber auch in sogenannt fortschrittlichen und gebildeten Kreisen gibt es hier noch riesig viel Tabus und Heuchelei."

Die Familie ist tatsächlich nach wie vor das A und O der pakistanischen Gesellschaft. Das materielle und moralische Überleben des Einzelnen und das Funktionieren der Gesellschaft als ganzes hängen sehr stark von der Existenz scheinbar oder tatsächlich intakter Familien ab. Eigene wirtschaftliche und andere Interessen werden denen der Familie deshalb in einem für uns Westler kaum nachvollziehbaren Mass untergeordnet. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie ist gross. Man hilft sich. Als Freund von Zahid bin ich automatisch auch der Freund seines Bruders, was bedeutet, dass auch alle Freunde dieses Bruders mich als ihren Freund betrachten und behandeln. Dieser Zusammenhalt ist eindrücklich. Doch die Kehrseite der Medaille ist es auch: Die scheinbar heile, harmonische Familie wird zur Zwangsjacke für alle, die aus irgendwelchen Gründen von ihren geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen abweichen oder mit ihnen nicht einverstanden sind. Dabei werden Konflikte häufig nach dem Muster "wer nicht für uns ist, ist gegen uns" gelöst. Neben viel selbstverständlicher Hilfsbereitschaft und Zuneigung gibt es deshalb auch viel Hass, viel Ablehnung und Ächtung, nur dass davon kaum gesprochen wird.

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"Living education", Peschawar und Lahore

Neben den Gesprächen mit Zahid und seinen Freunden, einem Besuch einer Ökonomievorlesung im Rahmen eines Abendkurses, den Zahid zur Zeit belegt, einem unverhofften Auftritt im pakistanischen Fernsehen angesichts des Tages der Behinderten am 3. Dezember (ich war halt gerade da), dem Besuch einer Mittelschule in Islamabad und ähnlichen Dingen wäre jetzt vor allem noch von meinen Eindrücken von "living education", einem eine halbe Stunde ausserhalb Islamabads angesiedelten, von einem in der Schweiz lebenden Pakistani initiierten pädagogischen Entwicklungsprojekt und von meinem Abstecher nach Peshawar zu berichten. Doch lassen wir das. So Gott will komme ich ja irgend wann wieder und da ist es ganz gut, wenn Ihr nicht jede Geschichte schon vier mal gehört habt. Im übrigen hat Vicky, mein Reisebegleiter und Helfer seit Bodgaia schon vor einer Stunde zur Tür hereingeschaut und es scheint, als ob er - mit Leib und Seele geduldiger Inder - draussen auf mich wartet, während der Hunger an seinen Eingeweiden nagt. Ich kürze deshalb etwas ab und sage nur noch, dass Pakistan mit vier ausgesprochen schönen, geselligen und gefühlvollen Tagen in Lahore zu Ende ging.

Ich war dort Gast von Abdal, dem Freund eines Freundes des Bruders von Zahid. Abdal, das soziale Zentrum seines Quartieres lud gleich alle seine Freunde ein, um sie in den Genuss meiner Gegenwart zu bringen. Es war ein wenig wie in Süditalien. Viel Lachen und Reden. Ausgiebige Erörterungen darüber, was ich unbedingt sehen und erleben müsse. Dann aber der Defekt am Auto, der doch nicht so schnell behoben ist, und danach die dringende Verabschiedung eines weiteren Freundes, der übers Wochenende nach Islamabad fährt. Statt um zwei Uhr nachmittags zum neuen Punjabi Kulturzentrum zu fahren, fahren wir deshalb abends um zwölf zum Bahnhof und landen um drei in der früh wieder bei Abdal, wo ein Film geschaut werden soll, der dann wegen allgemeiner Müdigkeit aber doch nicht geschaut wird.

Dieses viertägige Festival der freundschaftlichen Gefühle, des Singens und Redens endete damit, dass ich am Vormittag des 14. Dezember, einem sonnigen Dienstag, von der ganzen Clique zur 30 km entfernten indischen Grenze gefahren wurde. Unterwegs machten wir einmal Halt. Meine andauernd lachenden und singenden Gastgeber legten zusammen, was sie an Barem bei sich hatten, füllten zwei Liter Benzin in den beinahe leeren Tank und kauften etwas zu essen. Als ich mich an den Kosten beteiligen wollte, lehnten diese guten Kerle ab. Auch mein Argument, dass das Benzin vermutlich nicht bis zurück in die Stadt reichen würde, beeindruckte sie nicht. "No no, you are the guest. We will find a way!" An der Grenze angekommen, übergaben sie mich nach ausgiebigem Photographieren und Verabschieden einem Lädelibesitzer, der die nötigen Papiere hatte, um mich durch die Sperrzone bis zur pakistanischen Zollabfertigung bringen zu können. Noch einmal vielseitiges Umarmen und Beglückwünschen, und dann> A dio Pakistan. Challo *zu sprechen als "cello") India, was so viel heisst wie "auf nach Indien".

Time is up! Ich schreibe, wenn ich wieder Gelegenheit habe.

Martin Näf

© 2005 by Martin Näf, Basel
Erstellt am Mo, 28.08.06, 09:01:19 Uhr.
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