Tagebuch-Übersicht / Xyba Teil 3 /

Xyba
Tagebuch einer neuen Beziehung

Mittwoch 4.1.

Beim Frühstück besprechen wir den Verlauf der kommenden Tage. Am Freitag fliegen wir vier - Jenny, Roland, Xyba und ich - zurück nach Graz, wo wir die Einschulung dann bis zum folgenden Freitag fortsetzen. Am Tag vor dem Abflug haben Jenny und Roland noch einen freien Tag und Peter, der Ausbilder der meine letzte Führhündin ausgebildet hat, wird mit mir und Xyba arbeiten. Unser Abflug ist bereits kurz nach 9.00 Uhr von Zürich, was bedeutet, dass wir sehr früh los müssen und mit dem Zug von Basel nach Zürich fahren werden. Jenny macht mir den Vorschlag, dass Xyba die Nacht vor dem Abflug noch einmal bei ihr bleiben könnte. Dann würde sie vor unserer Abreise noch einen kleinen Spaziergang mit ihr machen und ich bräuchte nicht ganz so früh aufstehen. Das ist ein wirklich nettes Angebot, aber die Vorstellung, die Nacht vor dem Abflug wieder ohne Xyba im Zimmer zu sein behagt mir nicht sonderlich. So schnell geht das - drei Tage und ich will schon nicht mehr ohne Xyba in meiner Nähe sein.

Nach unserem gewohnten langen Morgenspaziergang mit Zielpunkt Führhundeschule, bürste ich Xyba. Anschließend machen wir noch etwas Theorie über Hundekrankheiten und Umgang mit Medien. Es gibt viel Informationsmaterial der Führhundeschule, das man Journalisten, die einen Beitrag zum Thema Blindenführhunde machen wollen, weitergeben kann.

Es gibt auch eine Übernahmebestätigung, die ich unterschreiben soll, sobald klar ist, dass ich Xyba wirklich behalte. Jenny meint, ich könnte es gleich machen, aber auch noch zuwarten. Da bietet sich für mich nun die Gelegenheit, anzusprechen, dass ich mir zwar sicher bin, dass Xyba ein sehr lieber und guter Führhund ist, aber dass ich manchmal Zweifel habe, ob ich der Aufgabe wieder gewachsen bin. Jenny zeigt großes Verständnis und meint, dass es gut ist die weitere Einschulungszeit abzuwarten, den Alltag mit Gabriel in der zweiten Woche einmal zu beobachten und dann die Entscheidung zu treffen. Sie versichert mir auch, dass ich mir keine Vorwürfe machen muss, wenn ich für mich erkenne, dass es mir doch zu viel wird. Nachdem das einmal ausgesprochen ist, ist mir wieder um einiges leichter.

Nun fahren wir wieder in die Gegend, in der wir am Vortag das "Trockentraining" gemacht haben und machen unsere ersten echten Führversuche. Xyba führt mich und Jenny geht sehr knapp hinter mir, um schnell reagieren zu können, falls ich in Gefahr bin irgendwo anzustoßen. Der Anfang ist - wie zu erwarten war - noch eher verkrampft und mühsam. Xyba will abbiegen wo sie nicht soll, überläuft Gehsteigkanten und ich reagiere zu langsam. Vor allem wenn Xyba stehen bleibt, überhole ich sie jedes Mal fast. Allmählich entspannen wir uns aber beide und nach einer kurzen Pause mit Spielen klappt es dann schon sehr gut. So gehen wir schließlich alle gemeinsam recht zufrieden zum Mittagessen.

Für Xyba ist das alles doch auch ein ziemlich großer Stress, was man auch daran erkennen kann, dass sie etwas Schuppenbildung im Fell hat. Sie muss sich erst an meine Stimme, meine Art zu sprechen und meine Bewegungen gewöhnen. Ich muss erst wieder lernen, mich ihren Bewegungen gut anzupassen und bin zunächst sicher keine so "geschmeidige" Partnerin, wie Jenny es war, während sie Xyba ausgebildet hat.

Im Hotel gibt es außer mir und dem nettten Italiener, der mir jeden Morgen mein Frühstück serviert, nun auch Handwerker, die im Stockwerk über mir eifrig tätig sind. Mit einem Mittagsschläfchen wird es also nichts, aber es ist schon sehr erholsam sich für eine Weile hinzulegen und ein Hörbuch zu hören. Xyba ist anfangs von dem Gepolter etwas irritiert und bellt einige Male. Schließlich beruhigt sie sich aber und rollt sich neben meinem Bett ein.

Am Nachmittag fahren wir in eine andere Spaziergegend, eine etwas höher gelegene Ebene, wo wir einem anderen Hund begegnen, mit dem sich Xyba ein echtes Wettrennen liefert. So kann ich erstmals beobachten, wie sie mehrere Runden in vollem Galopp dahinsaust - pure Freude an der Bewegung!

Danach trainieren wir am Bahnhof. Xyba führt mich zunächst außerhalb des Bahnhofsgebäudes und weicht dabei einigen Hindernissen sehr gut aus. In der Bahnhofshalle wird sie unsicher und geht sehr langsam. Nach ein wenig Ermunterung und einem leichten Zug mit der Leine nach vorn beschleunigt sie wieder etwas. Nun gebe ich ihr das Hörzeichen um rechts eine Treppe anzuzeigen. Xyba wendet sich nach rechts und geht zur Tür des Aufzugs. Schlaues Mädchen! - Aber hier war "Treppe" gefragt. Also Hörzeichen für "Umdrehen", einige Schritte zurück, und nochmals "Treppe rechts". Diesmal klappt es. Bis wir tatsächlich die Treppe zum Bahnsteig hinuntergehen können, dauert es allerdings noch ein wenig, denn sie ist so schmal, dass eigentlich nur eine Person Platz hat und gerade kommen mehrere Leute angelaufen, die offenbar schnell zu ihrem Zug müssen. Was haben sich die Planer dieses Bahnhofes nur dabei gedacht, die Treppen zum Bahnsteig so schmal zu machen?

Nun probieren wir das Einsteigen in einen Zug, das hier sehr bequem ist, weil der Bahnsteig und der Zug so gebaut sind, dass man praktisch ohne Stufe in den Zug kommt. Weil ich nur die "Klettertouren" gewöhnt bin, mit denen man die Züge der ÖBB erklimmen muss, bemerke ich beim ersten Einsteigeversuch zunächst gar nicht, dass ich bereits im Zug stehe. Xyba zischt in den Zug, ohne zu zögern, denn da ist ja keine Stufe, die sie anzeigen müsste. Sie zeigt auf mein Hörzeichen auch sehr schön einen freien Sitzplatz an und, legt den Kopf auf die Sitzfläche. Dafür gibt es eine kleine Futterbelohnung. Das ist nun wieder neu für mich, dass manche richtig ausgeführten Anweisungen nicht nur mit Lob, sondern auch mit einem kleinen Leckerli belohnt werden. Bei meinen beiden ersten Hunden galt das noch als Zeichen dafür, dass die Unterordnung des Hundes nicht gut ist. Aber auch die Führhundeausbildung entwickelt sich weiter und die Führhundeschule arbeitet seit einiger Zeit mit Verhaltensforschern zusammen, die - wie mir Jenny erzählt - einige sehr wirkungsvolle Ideen eingebracht haben.

Die Führarbeit und das Einsteigen und Sitzplatzanzeigen klappen so gut, dass ich noch gern weitermachen würde. Aber Jenny meint, dass es genug ist und wir Xyba nicht überfordern sollten. Also fahren wir zurück zur Schule. Peter ist dort und wir besprechen den folgenden Tag. Peter schlägt vor, dass wir in der Innenstadt von Basel trainieren könnten. Ich nehme mir vor, den Tag mit ihm zu nutzen, um nochmals meine Zweifel zu besprechen. Er kennt mich schon sehr lange vielleicht relativiert sich manches im Gespräch mit ihm.

Am Abend zeigt mir Xyba, dass sie - ein echter Labrador eben - durchaus Gelegenheiten sucht und findet, um sich etwas Fressbares zu stibizen. Während ich im Zimmer einiges wegräume, schleicht sie sich ins Bad und holt einen Joghurtbecher aus dem Mülleimer. Auf mein energisches "Nein" lässt sie ihn aber sofort fallen und kommt zurück. Ja, auch daran muss ich mich erst wieder gewöhnen: Fressbares oder was ein Labrador dafür hält außerhalb von Hundeschnauzenreichweite deponieren.
Donnerstag, 5.1.

Die ersten Schritte sind immer die schmerzhaftesten, und das ist in diesem Fall durchaus nicht metaphorisch gemeint. Mein Muskelkater hat es sich inzwischen im Bereich vom Fußgelenk bis zu den Knien wohnlich eingerichtet. Immer nach dem Sitzen oder Liegen erinnert er mich dann besonders deutlich an seine Anwesenheit.

Als ich mich an diesem Morgen nach diesen ersten Schritten wieder auf die Bettkante setze, setzt Xyba sich neben mich, kuschelt sich an und legt ihren Kopf auf mein Knie. So sitzen wir einige Minuten da und in mir verstärkt sich wieder das Gefühl, dass Xyba mein Hund ist.

Peter holt uns nach dem Frühstück ab. Wir halten den ersten Spaziergang an diesem Tag eher kurz und trainieren dann gleich im Ort Allschwil im Führgeschirr. Diesmal gehen wir auf belebteren Straßen. Xyba führt fast fehlerfrei und ich fühle mich zum ersten Mal richtig wohl dabei, von ihr geführt zu werden. Danach gibt es wieder eine Runde Freilauf und Spiel und nachdem Xyba in der Führhundeschule ihr Futter bekommen hat und Peter und ich uns mit einem Tee gestärkt haben, besuchen wir noch einmal die Welpen, die an diesem Tag genau einen Monat alt sind.

Es ist ein sehr entspannter Tag. Peter vermittelt mir - ohne viel zu sagen - das Gefühl, dass es überhaupt keinen Zweifel daran, gibt, dass Xyba und ich ein gutes Team werden.

Am Nachmittag fahren wir ins Zentrum von Basel. Xyba führt mich durch belebte Straßen und die Fußgängerzone und macht ihre Sache sehr gut. Dort wo es viele Menschen und Hindernisse gibt, geht sie langsamer, was mir sehr angenehm ist und ein Gefühl der Sicherheit gibt. Ich berühre kein einziges Hindernis und auch das Anzeigen von Treppen klappt sehr gut. Für jede richtig ausgeführte Aufgabe lobe ich Xyba sehr und spüre, wie sehr sie das motiviert. Sie läuft die nächsten Schritte gleich ein wenig schneller. Als eine Straßenbahn neben uns stehen bleibt, würde Xyba gern einsteigen - vielleicht in der Hoffnung auf ein Leckerli, wenn sie mir den Sitzplatz anzeigt. Nach etwa 20 Minuten zeigt Xyba, dass es für sie jetzt reicht, indem sie sich häufig mit der Zunge über die Nase fährt. Dieses Züngeln beim Hund ist ein Zeichen von Stress und für uns das Signal mit der Führarbeit Schluss zu machen. Jetzt hat sich Xyba einen schönen Entspannungsspaziergang wirklich verdient!

Am späten Nachmittag kann ich in der Führhundeschule noch die Katzenfütterung beobachten. Zur Schule gehören vier Katzen, die dort ständig leben um die Hunde so gut an Katzen zu gewöhnen, dass sie von einer Katze in der Führarbeit möglichst keine Notiz nehmen. Die Katzen haben eigene Schlafplätze im Gebäude, in dem auch die Hunde untergebracht sind und bewegen sich frei am ganzen Gelände. Eine von ihnen - Scotti - thront gern auf einem hohen Schrank in der Cafeteria und beobachtet das Geschehen unter sich. Eine andere Katze hat sich angewöhnt, während des Tages, wenn die MitarbeiterInnen im Haus sind, niemals die Katzentürchen zu benutzen, sondern sich in die Nähe der automatischen Eingangstür zu setzen, die allerdings auf Katzen nicht reagiert und den nächstbesten Vorbeikommenden anzumaunzen, damit er ihr die Tür öffnet. Marlen, eine Büromitarbeiterin, ist für die Katzenfütterung zuständig und deshalb bei allen vieren besonders beliebt. Als sie an diesem Nachmittag in die Cafeteria kommt, um das Katzenfutter zu holen, sitzen alle vier Katzen bereits in der Tür und beobachten sie genau. Xyba knurrt leise. Sie hat sich angewöhnt, die Cafeteria sozusagen als "ihren Platz" zu betrachten und hat in den letzten Tagen schon einige Male andere Hunde angebellt oder angeknurrt, wenn sie mit ihren Trainern hereinkamen. So ein Verhalten muss ich jeweils gleich mit einem deutlichen "Nein" unterbinden. Die Katzen lassen sich von einem knurrenden Hund natürlich überhaupt nicht beeindrucken. Sie verfolgen gespannt jede Bewegung Marlens.

Nachdem wir noch einen Abend-Imbiss für mich besorgt haben, verabschiede ich mich von Peter. Er wird später unsere laufende Betreuung übernehmen, da er Angehörige in Graz hat und mindestens einmal im Jahr herkommt.

Für mich heißt es nun wieder Koffer packen, denn am nächsten Morgen geht es früh los in Richtung Flughafen Zürich.
Freitag, 6.1.

Um halb sechs Uhr früh holt Jenny Xyba für einen kurzen Morgenspaziergang ab. Ich packe die letzten Sachen ein und um sechs Uhr erwartet uns Rita, die in der Führhundeschule für die Welpenbetreuung zuständig ist, um uns mit einem Schulauto zum Bahnhof Basel zu bringen, von wo wir mit dem Zug direkt zum Flughafen Zürich fahren. Roland steigt unterwegs zu.

Im Flughafengebäude machen wir zunächst eine kleine Irrfahrt mit dem Aufzug. Nachdem wir alle anderen Stockwerke durchprobiert haben, erreichen wir schließlich doch das, in dem sich die Abfertigung befindet. Ein Blindenführhund als Fluggast erregt bei den Damen am Abfertigungsschalter natürlich großes Interesse. Es gibt aber keinerlei Diskussion darüber, ob Xyba in die Flugkabine darf. Die Schule hat das bereits bei der Buchung geregelt.

Nun bleibt uns noch genug Zeit für ein Frühstück. Auf dem Weg durch die große Halle zu einem Café kommen wir an einem Spielwarengeschäft vorbei. Davor stehen die unterschiedlichsten batteriebetriebenen Plüschtiere und miauen, bellen, quaken, wackeln mit Köpfen oder Schwänzen. Xyba steht ganz verdattert davor und weiß offensichtlich nicht, was sie davon halten soll. Sie läuft übrigens ausschließlich an der Leine, neben mir und Jenny oder Roland führen mich. Es wäre für uns beide noch etwas zu früh uns als Fürhgespann durch den belebten Flughafen, in dem ich noch dazu gar nicht wüsste, welche Richtung ich Xyba ansagen soll, hindurchzumanövrieren.

Auch beim Sicherheitscheck wird Xyba wieder sehr bewundert und dann geht es auch schon in den Bus, der uns zum Flugzeug bringt. Dort ist es wie üblich furchtbar laut und ich bin nun fast ausschließlich auf meinen Tastsinn angewiesen und muss mich von Jenny in Richtung Einstieg schieben lassen. Der Sitzplatz neben mir wurde frei gehalten, sodass Xyba sich dort hinlegen kann. Jenny und Roland sitzen vor uns. Bisher hat Xyba alles ganz selbstverständlich mitgemacht, ohne Anzeichen von Nervosität zu zeigen. Roland hat schon bei unserem Aufbruch in Basel gesagt, dass es doch eigentlich faszinierend ist, wie vertrauensvoll ein Hund alles mitmacht, was wir Menschen ihm vorgeben. Jenny und Roland haben mit mir vereinbart, dass ich bei Start und Landung Xyba überhaupt keine besondere Beachtung schenke, es sei denn sie zeigt Unruhe. Ein Hund orientiert sich bei seiner Beurteilung einer Situation sehr am Verhalten seiner Bezugsperson. Würde ich also vorauseilend beim Start beruhigend auf Xyba einreden, würde das möglicherweise überhaupt erst das Gefühl in ihr wecken, dass diese Situation bedrohlich ist. Tatsächlich nimmt Xyba weder vom Start noch von der Landung des Flugzeugs besondere Notiz. Sie liegt ausgestreckt, offenbar ganz entspannt, neben mir. Nur als der Imbiss gebracht wird, hebt sie interessiert den Kopf.

Am Flughafen in Graz sind vor allem die Zollbeamten sehr interessiert an Xyba. Sie setzen in ihrer Arbeit wohl selbst Hunde ein und wollen nun einiges über diesen anderen "Hundeberuf" wissen. Erich holt uns mit dem Auto ab und macht gleich ein paar Begrüßungsfotos. Im Gegensatz zu Allschwil liegt in Graz viel Schnee. Nun regnet es aber leicht.

In der Wohnung angekommen läuft Xyba gleich in alle Räume und findet bald das vorbereitete Spielzeug in ihrem Korb. Nach einer kurzen Versäuberungsrunde gibt es die erste Fütterung im neuen Zuhause. Danach fahren Jenny und Roland mit Erich zu ihrem Hotel, ganz in der Nähe meiner Wohnung. Am frühen Nachmittag werden sie zu einem Spaziergang wieder kommen.

Nun bin ich also mit Xyba allein in der Wohnung. Zunächst läuft sie mir überall hin nach. Wir wechseln zwischen ein wenig Spielen und Phasen, wo ich sie auf ihren Platz schicke. Während ich mir ein Mittagessen aus der Tiefkühltruhe aufwärme und meinen Koffer auspacke legt Xyba sich in ihren Korb im Wohnzimmer. Den hat sie also angenommen. Die Matratze in meinem Schlafzimmer gefällt ihr offenbar nicht so gut. Ich bewege mich sehr vorsichtig aus Angst, ich könnte nicht bemerken, dass sie sich woanders hingelegt hat und ihr auf die Pfoten steigen.

Am Nachmittag zeige ich Jenny und Roland dann einen unserer zukünftigen Spazierwege. Von meiner Wohnung aus ist man in etwa 15 Minuten zu Fuß an einem Weg, der zügig bergauf führt. Graz wird hier im Westen von einer Hügelkette begrenzt. Ich war dort mit Xybas Vorgängerin schon immer an den Wochenenden spazieren und kenne insbesondere zwei Wege sehr gut. Jenny und Roland entdecken gleich einen weiteren. An das flotte Marschieren im ebenen Gebiet um Allschwil bin ich inzwischen ja schon ganz gut gewöhnt. Nun beginnt mein "Berg-Konditionstraining". Ich bin nach dem Spaziergang im nassen schweren Schnee ordentlich müde, aber Jenny meint, das wäre von der Streckenlänge doch etwas wenig für Xyba. Manchmal, finde ich, übertreibt sie es ein wenig. Xyba ist während des Spaziergangs kreuz und quer im Wald, bergauf und bergab gelaufen. Sie hat ein Vielfaches unserer Strecke zurückgelegt. Ich will mich darüber jetzt aber auf keine Diskussion einlassen. Ich werde mit Xyba im Laufe der Zeit schon herausfinden, was so das für uns beide passende Spaziermaß ist. Schließlich ist meine vorherige Hündin 13 Jahre alt geworden und war fast bis zum Schluss gesund und fit. Da kann ich es damals ja auch nicht ganz falsch gemacht haben.

Der viele Schnee, in den es jetzt hieneingeregnet hat, und das eher milde Wetter bedeuten eine erhöhte Gefahr von Dachlawinen und damit auch einen Wald von "Schneestangen", den Holzlatten, die in Graz zur Warnung vor Dachlawinen an den Hauswänden lehnen. In der Schweiz gibt es so etwas nicht. Jenny und Roland sind einigermaßen erstaunt, und natürlich muss auch Xyba diese Art von Hindernissen erst kennenlernen. Gerade als Roland sich eine solche Stange genau ansieht, geht wenige Meter hinter uns eine ziemlich große Dachlawine ab, an einer Stelle, an der keine Stange steht. Zum Üben für Xyba wird es jedenfalls genug Gelegenheit geben.

Nach dem Spaziergang erkunden wir noch die Gassen in der näheren Umgebung meiner Wohnung, dies alles aber für Xyba nur an der Leine. Heute haben wir einen führfreien Tag, denn es gibt auch so genug Neues und Aufregendes.

Am Abend bürste ich Xyba wieder ausgiebig. Gerade in der Anfangszeit ist es sehr hilfreich, das häufig zu tun, weil es die Bindung fördert. Für Xyba ist es allerdings ungewohnt nicht auf einem Pflegetisch, sondern einfach am Boden gebürstet zu werden. Ich werde irgendwann auch einen Pflegetisch bekommen, aber mit dem Flugzeug konnten wir den nicht mitnehmen. Manchmal, wenn ich mich kurz wegdrehe, um die ausgekämmten Haare vom Kamm in den Mistkübel zu putzen und dann weitermachen will, ist kein Hund mehr da, weil Xyba ein paar Schritte zurückgegangen ist. Das Bürsten genießt sie sehr, aber der Kamm rupft manchmal doch ein wenig. Sie komtt aber jeweils gleich zurück, wenn ich sie rufe.

Jenny kommt noch einmal für die kleine Abendrunde vorbei.

Als ich schlafen gehe kommt Xyba zuerst in mein Zimmer, wechselt aber bald in den Korb im Wohnzimmer. Jenny hat mir erzählt, dass sie am liebsten in einem Korb liegt. Ich denke, es ist ein gutes Zeichen, dass sie sich in ein anderes Zimmer schlafen legt, wenn es ihr dort bequemer ist. Sie fühlt sich offenbar wohl und sicher in der Wohnung.

Barbara Levc

© 2006 by Barbara Levc
Erstellt am Sa, 07.10.06, 08:50:19 Uhr.
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