Wer fürchtet sich vorm Regenguß /

Wer fürchtet sich vorm Regenguß

Nachdem wir schon seit mehreren Jahren unseren Sommerurlaub im Land Salzburg verbringen, haben wir an die Legende vom Dauerregen schon nicht mehr geglaubt. Heuer sind wir überzeugt worden - es gibt ihn doch!

Wir hatten daher die Wahl, an den Regentagen (zum Glück gab es auch sonnige) im Zimmer zu sitzen oder dem Wetter zu trotzen. Also planten wir eben Wanderungen, die uns über Feldwege oder Forststraßen an ein Ausflugsziel führten. Die Waldwege waren zum Teil matschig und die glattgewaschenen Felsen, die aus dem Waldboden ragten, gefährlich glitschig.

Ausgerüstet mit Pullovern, Regenjacken und einem Schirm machten wir uns auf den Weg, vorbei am See, wo sonst die Sommergäste ihre Frühstückssemmerl an die Enten verfüttern. Diesmal waren die Bänke um den See allerdings leer, und friedliche Stille herrschte ringsum.

Dann gings hinein in ein kleines Waldstück, hier schützte uns das dicke Blätterdach vor dem Regen, aber schon nach der kleinen, behaglichen Jausenstation, die oft Ziel unserer Spaziergänge war, gelangten wir zur Straße, der wir an einigen Bauernhäusern vorbei, den Berg hinauf folgten.

Wir hörten Bäche plätschern, die uns in anderen, wasserärmeren Jahren gar nicht aufgefallen waren, und fanden ein paar Waldbeeren - frisch gewaschen. Nach einer Rast, bei der wir unter das Dach eines Heuschobers flüchteten, erreichten wir schließlich das Gasthaus. Die Wirtin staunte nicht schlecht, als wir in die Stube traten und begrüßte uns mit den Worten " Heute kommt ihr, bei dem Wetter?". Erst jetzt merkten wir, wie durchnäßt wir waren, aber noch etwas fiel uns auf: Der große Kachelofen war vorsorglich eingeheizt worden. Nachdem wir die einzigen Gäste waren, setzten wir uns ungeniert auf die Ofenbank und lehnten uns an die warmen Kacheln. Nach einem Teller heißer Suppe und erst, als unsere Pullover wieder trocken waren, machten wir uns auf den Rückweg.

Trotz vieler Ausflüge an sonnigen und heißen Tagen war diese Regenwanderung eine der fröhlichsten in unserem Urlaub, und wie uns ein Hüttenwirt einmal sagte, gibt es kein schlechtes Wetter, wenn man die richtige Ausrüstung hat.

Susanna Köfinger

Aus: "Susi" 2/1997

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Erstellt am Di, 07.11.00, 08:01:19 Uhr.
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